Aurora musis amica, die Morgenstunde ist die Freundin der Musen, schreibt Erasmus von Rotterdam irgendwann um die Wende zur Neuzeit in einen Brief an seinen Lübecker Schüler Christian Northoff im heute überlieferten Wortlaut Morgenstund hat Gold im Mund.

Und knapp 500 Jahre später versuchen Eltern immer noch ihre pubertierenden Jugendlichen in schulfreien Zeiten mit diesem Spruch zu motivieren, „doch bitte vor 12 Uhr“ aus den Federn zu kriechen. Damit die Brut zumindest zum Mittagessen salonfähig und vorzeigbar ist.

Der Morgen und das Erwachen aus dem verdienten Schlaf sind heute nicht mehr so einfach mit der Morgenröte in Verbindung zu bringen. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit des Menschen in den Berufsbildern des 21. Jahrhunderts.

So kann es leicht sein, dass Sie Stimmungen wie die auf dem folgenden Bild nie in natura gesehen haben oder sehen werden.

Morgenröte an der Müritz
Von Frank Liebig - Archiv Frank Liebig, CC BY-SA 3.0 de

Trotzdem beginnen Sie den Tag auf Ihre ganz persönliche Art. Wann immer das auch sein mag. Und verbringen die wertvollste Zeit des Tages in einer Routine, die sich vermutlich unbewusst etabliert und dann an unzählbaren Morgen bewährt hat. Hat sie doch, oder?

Und das ist gut so, denn was sich zwischen Tag und Nacht begibt, erleben wir jeden Tag aufs Neue zwischen Schlafen und Erwachen, egal, ob es gerade dämmert oder die Sonne untergeht.

Was ist das besondere am Morgen?

Mein Tonsatzlehrer pflegte eine einfache Routine nach dem Aufstehen, zu der er auch uns Studenten ermuntert hat.

Herbert Tachezi Spielen sie nach dem Aufstehen, bevor sie ihre Magenschleimhäute mit einem Kaffee verätzen, doch lieber einen Bach Choral durch. —Herbert Tachezi

Als Schüler habe ich den Schlaf optimiert. Ich bin zum letztmöglichen Zeitpunkt aufgestanden, habe mich angezogen und bin zu Fuß in die Schule gegangen. Dort kam ich mit dem Läuten an und habe normalerweise den Morgenschlaf noch bis zur großen Pause ausgedehnt.

Es war ein Stolpern in den Tag, der auch größtenteils nur Ungeliebtes an mich herantrug. Also schien mir diese Routine sinnvoll.

Als ich den Ratschlag dieses weisen Mannes erhielt, war ich Musikstudent im ersten Semester. Die große Freiheit… das Schlafen bis in den frühen Nachmittag, hatte ich ausprobiert und festgestellt, dass ich davon auch nicht munterer wurde. Also habe ich probiert, wie es ist, mit Bach aufzustehen. Und was soll ich sagen, es hat eine andere Qualität in den Tag gebracht.

Und das ist der Punkt, auf den es mir ankommt: Unsere Morgenroutine bestimmt die Qualität des Tages.

Sie müssen jetzt nicht mit dem Klavierspielen beginnen… 😜 Morgenroutinen gibt es wie Sand am Meer. Lediglich die Entscheidung zu einer für Sie hilfreichen will gefunden werden.

Das gilt umso mehr für Unternehmer.

Steve Jobs, für viele die Unternehmerikone der Jahrtausendwende hat 2005 in Standford vor frischgebackenen Akademikern über eine seiner Morgenroutinen gesprochen. Sie bestand aus einer einfachen Sequenz, die er jeden Tag vor dem Spiegel in seinem Badezimmer absolvierte.

Sie beginnt mit einer einfachen Frage: „Wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre, würde ich dann das tun, was ich jetzt gleich angehen werde?

Und er berichtete davon, wenn er diese Frage zu viele Tage hintereinander mit Nein beantwortet hatte, musste sich etwas ändern.

Das ist eine kraftvolle Routine, die einen gleich am Morgen mit seinem Gefühl in Verbindung bringt. Fokus und Erfolg, beruflich wie privat sind damit gleichsam vorprogrammiert. Sehr effektiv. Ein schönes Geschenk an die jungen Menschen, die auf die Arbeitswelt losgelassen wurden.

Was gehört in eine Morgenroutine?

Ganz einfach, eine Routine, die Sie positiv auf den Tag einstimmt, Sie mit Ihrer Gefühlswelt verbindet und Sie proaktiv auf die Herausforderungen vorbereitet.

Wie Sie das erreichen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Mehr noch, es gibt kein Patentrezept, mit der man seine Produktivität maximiert. Aber es gibt Ideen, für alle, die noch nicht so ganz bewusst an die Sache herangehen.

Der vielleicht wichtigste Punkt betrifft die Frage nach dem optimalen Getränk. Hier variieren die Möglichkeiten von Wasser über Tee und oder Kaffee bis hin zum Reparaturseidl. Schließlich hinterlässt der vorangegangene Abend auch seine Spuren am folgenden Tag.

Sehr viele Menschen haben sich eine stille Zeit eingerichtet, meditieren, mit Körperübungen wie Qigong, Yoga oder in Form von Morgenseiten. Ein stille Einkehr zur Stärkung des Selbst.

Andere wieder schwören auf Jogging, ihre Laufroute durch eine beschauliche Landschaft, vielleicht kombiniert mit Stretch- und anderen Fitness-Übungen.

Wieder andere visualisieren. Sie bringen sich in eine Stimmung der Dankbarkeit und stellen sich ihre Ziele für den Tag vor, so als ob sie sie schon erreicht hätten.

Auch das Frühstück spielt eine wichtige Rolle. Von Barack Obama wird berichtet, er habe sich nach seiner persönlichen Morgenroutine jeden Tag mit seiner Familie zum Frühstück zusammengesetzt.

Auch die persönliche Hygiene spielt für viele Menschen am Morgen eine wichtige Rolle.

Nicht nur Sänger wärmen ihren Körper am Morgen mit Atemübungen auf. Viele fernöstliche Tradditionen verbinden Atemübungen mit Körperübungen und wecken damit Körper, Geist und Seele aus dem Schalf.

Morgenröte an der Müritz
Von Albert Anker - "Von Anker bis Zünd, Die Kunst im jungen Bundesstaat 1848 - 1900", Kunsthaus Zürich Gemeinfrei

Woraus besteht Ihre Morgenroutine?

Wenn Sie noch keine Morgenroutine haben, werden Sie sich bewusst, was Sie am Morgen tun. Ist es ein in den Tag stolpern? Oder haben Sie eine fix etablierte Routine? Wie steigen Sie mit Ihrer Routine in den Tag ein? Sind Sie voller Energie und Tatendrang?

Wenn es noch nicht so hundertprozentig rennt, was können Sie ändern, damit Sie wirklich positiv aufgeladen in den Tag einsteigen können?

Wenn Sie einen Sparringpartner suchen, der Ihnen beim Einrichten Ihrer Morgenroutine hilft, schreiben Sie mir ein e-Mail. Wir können Ihre Herausforderung gemeinsam durchsprechen.

Michael Gerzabek

Ich wünsche einen starken Tag!

Und bleiben Sie sich treu. Die anderen gibt es schon

–Michael Gerzabek ;-)