Initialen Michael Gerzabek

Wann brauche ich für ein Projekt eine eigene Website?

Die Gründe für den Besitz mehrer Domains sind vielfältig. In diesem Beitrag erfahren Sie eine einfache Formel, wann sich der Einsatz einer produktiven Website auf einer eigenen Domain lohnt.

Wer mit Onlinemarketing groß geworden ist, hat in seinem Domain-Name-Provider-Konto (DNPK) eine lange Liste von Domains gebunkert.

Mit jeder neuen Produktidee geht man meistens als erstes zu HostEurope oder NameCheap und überprüft, welche Domainnamen für das Projekt noch frei wären.

Es ist ein Automatismus, so wie wir uns am Morgen kritisch in den Spiegel schauen und den Grad der Verwüstung prüfen, den die vergangene Nacht in unserem Gesicht hinterlassen hat.

In den letzten Jahren sind DNPKen zu Gräbern für nicht verwendete Domainnamen geworden.

Rechnet man hundert Domains mit einem durchschnittlichen Preis von zehn Euro pro Domain, sind das satte tausend Euro, die pro Jahr anfallen.

Ein stattlicher Betrag, mit dem man auf Werbeseite schon einiges bewegen könnte.1

Die Frage, die sich also aufdrängt:
Wann brauche ich für ein Projekt eine eigene Website?

Die Frage impliziert:

(i) Ich habe bereits einen bestehenden Internetauftritt und ich wäge ab, ob ich für ein neues Angebot eine neue Domain verwenden soll.

(ii) Gibt es einleuchtende Gründe, die dagegen sprechen, eine neue Domain zu verwenden, wird das Angebot in einem eigenen Abschnitt auf der bestehenden Website abgebildet.

Kann ich anhand dieser Fragestellung Kriterien für die Zukunft generieren, erspare ich mir viel Zeit und Geld, bevor ich die nächste Domainrecherche starte… und meinem DNPK eine weitere Leiche hinzufüge.

Die Argumentation läuft typischer Weise über die technische Sphäre.

Dank ausgereifter und sehr oft kostenlos verfügbarer Content Management Systeme, sowie inflationär vorhandener Website-Templates sind die Entwicklungskosten für Websites in den letzten Jahren stark gesunken.

Dennoch kostet eine, im unternehmerischen Sinn, funktionierende Homepage immer noch einen erheblichen Aufwand an Zeit und Geld.

Dasselbe gilt für Wartung und Pflege der Inhalte. Eine Website ist vergleichbar mit einem lebendigen Organismus.

An ihr muss gearbeitet werden, neue Inhalte wollen hinzugefügt, alte Seiten überarbeitet oder ausgeschieden werden.

Der Aufwand multipliziert sich direkt mit der Anzahl der zu pflegenden Seiten.

Der wesentliche Faktor aus technischer Sicht ist das Ranking der Seite in Googles SERP.

Da die Qualität eingehender Links ein wesentlicher Faktor für die Auffindbarkeit einer Website darstellt, ist es, salopp gesprochen, wesentlich besser, eine Seite zu haben, auf die 100 qualifizierte Links verweisen, als zwei Seiten, auf die mit je 50 qualifizierten Links verwiesen wird.

Oder anders formuliert, ist es besser, eine Seite zu haben, die auf der ersten Seite einer Googlesuche aufscheint, als zwei Seiten, die auf Seite zwei einer Googlesuche firmieren.

In den meisten Fällen wird also mein neues Projekt schon allein aus technischen Überlegungen lediglich einen Unterabschnitt in der bestehenden Website einnehmen.

Die Opportunitätskosten sind einfach zu hoch.

Gute Gründe, die für eine eigene Website sprechen

Zielorientierung. Die meisten Betreiber einer Website verfolgen heute klare Ziele.

Die Imageseite untermauert das Bild, das man seinen Kunden in Projekten vermittelt im auch Internet. Ein e-Commerce-Shop ergänzt den POS im Einkaufszentrum. Usw.

Eine Website, die kein Ziel verfolgt, ist ein Luxus – meistens jedoch nur reine Zeit- und Geldverschwendung.

Kundenorientierung. Eng mit der Zielorientierung verknüpft stehen die Kunden. Die Benutzer der Website.

Wenn ich mit der Website etwas erreichen will, stimme ich dieses Ziel auf die Kunden, die ich mit der Seite erreichen will, ab.

Eingebettet in unseren Kontext können diese Sachverhalte wie folgt erhoben werden:

Verfolgt die neue Seite ein anderes Ziel als die bestehende Seite?
Hat die neue Seite ein anderes Publikum als die bestehende Seite?

Nur wenn beide Fragen eindeutig mit Ja zu beantworten sind, macht es Sinn, eine neue Website, unter einer neuen Domain, zu betreiben.

Wird nur eine Frage mit Nein beantwortet, bietet ein Abschnitt in der bestehenden Website größere Vorteile.

Drei Beispiele:

  • Drucker & Co verkauft Laserdrucker an Geschäftskunden. Jetzt wollen sie ihre Drucker auch an Endkunden vertreiben. In anderen Worten, das gleiche Ziel (Drucker verkaufen) in einem anderen Kundensegment (Endkunden).
    Ja + Nein = Eigener Abschnitt auf bestehender Website

  • Coach Me GmbH expandiert. Jetzt verkaufen sie auch Online-Trainings. Damit verfolgen sie ein neues Ziel (Webinare verkaufen) aber für dasselbe Zielpublikum (Menschen, die sich weiterentwickeln wollen).
    Nein + Ja = Eigener Abschnitt auf bestehender Website

  • Martina fotographiert auf Kundenevents. Sie wird immer öfter gefragt, ob sie auch Hochzeiten plant. Sie will die Idee verfolgen und eine Website dafür erstellen. Es handelt sich um ein neues Ziel (Hochzeitsplanung vermarkten) und neue Zielkunden (glückliche Paare).
    Ja + Ja = Eine separate Website auf eigener Domain

Die Ausnahme bestätigt die Regel

Die einzige Ausnahme von dieser Regel sind Projekte, in denen Sie erst einmal einen Proof of Concept liefern wollen.

Bevor Sie ihren über die Jahre gepflegten WordPress Blog in ein neues System überführen, werden Sie auf einer neuen Domain das neue System erst einmal ausführlich testen.

Diese Tests dürfen keinen Einfluss auf das Ranking ihrer aktuellen Website haben. Daher sollten der Test außerhalb ihres bestehenden Traffic-Systems durchgeführt werden.

Was mache ich jetzt mit all den reservierten Domains? Und den Investitionen, die ich über die Jahre getätigt habe?

Wenn Sie diese Domains wirklich nutzen möchten, können Sie sie jederzeit auf Ihre Hauptseite umleiten.

Das hat keinen Vorteil für das Ranking in Suchmaschinen – es handelt sich ja nicht um einen neuen eingehenden Link –, aber es könnte dazu führen, dass Sie sich besser fühlen, wenn Sie das Geld bereits ausgegeben haben.

Daneben gibt es noch andere Gründe für den Besitz von Domains, wie zum Beispiel die Verteidigung gegen den Mitbewerb, spekulative Investitionen und interessante Gespräche an der Bar am Donnerstag Abend.

Wieviele Domains besitzen Sie? Wie lange investieren Sie schon in die einzelnen Namen? Wie wahrscheinlich ist die Nutzung in einem eigenen Projekt? Wie wollen Sie weiter damit umgehen?

Ich freue mich auf Ihre Gedanken als Mail oder Kommentar auf XING, LinkedIn und Facebook ;-)

  1. Dazu noch ein Vergleich aus dem physischen Leben: Für ein Sarggrab in Wien betragen die Kosten, je nach Friedhof und Lage, zwischen 945 und 1.155 Euro für 10 Jahre (Stand: 25.06.2019). 

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