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Den Nagel auf den Kopf treffen
Hier ist nicht die Rede vom Kistennagel oder Bildernagel, sondern vom Nagel, der in der Zielscheibe des Schützen eingeschlagen wird, den Mittelpunkt markierend. Trifft der Schütze diesen Nagel, so war sein Schuß ein „Schuß ins Schwarze“. Vollbringen wir im Leben kleine Meisterleistungen - ein treffendes Urteil, eine Charakteristik voller Geist und Schärfe, ein guter Witz am rechten Platz - lobt die Umwelt: der hat aber den Nagel auf den Kopf getroffen! Und ein guter Schütze zu sein, wen freute das nicht, wenn auch die Gelegenheiten, sich auf einem Schützenfest als Schützenkönig zu präsentieren, heute immer seltener werden, und wir die Kunst, den Nagel auf den Kopf zu treffen, fast nur noch auf geistigem Gebiet üben können.
Redensart

Es ist Mittwochmorgen. Die Gesichter der Berater reihum sind noch ein wenig verschlafen. Nicht so die Blicke der Funktionäre der Wirtschaftskammer. Die schauen munter und ausgeschlafen aus ihren adretten Businessanzügen auf die Vertreter des Unternehmens, das jetzt genau 60 Minuten Zeit hat, sich selbst vorzustellen und allgemeine Fragen zum Thema SAP-HR Einführung zu beantworten. Danach entscheidet sich, ob unsere Firma weiter im Rennen bleibt oder ob wir zu den Dutzenden Verlierern gehören werden.

Eine Präsentation kann verzaubern, kann das Publikum entführen in eine Welt von Potentialität. In der richtigen Aufmachung können Sie sich mit einer gelungenen Präsentation einen gewaltigen Stein im Brett Ihres Interessenten sichern. Dazu gehört mehr als nur ein Satz Folien. Jedoch ohne den geeigneten Satz Folien steht das, was Sie als Redner können, auf wackeligen Beinen.

born to perform

So könnte ich die Grunddisposition meines wirtschaftlichen Treibens kennzeichnen. Und sie steht auf einem breiten Fundament. Ausgebildet zum AHS-Lehrer und über eintausend Auftritte auf Bühnen im In- und Ausland. Man bekommt Routine, das kann ich Ihnen garantieren. Aber auch wenn Sie nur selten die Gelegenheit zum Präsentieren haben, werden Sie sich der Wichtigkeit dieses mächtigen Marketingmittels bewusst.

Sie können mit einem Schlag eine große Menge von Menschen erreichen und mit Ihrer Persönlichkeit verzaubern.

Leider habe ich in den Jahrzehnten, die ich nun doch schon in der freien Wirtschaft tätig bin, feststellen müssen, dass eher das Gegenteil zutrifft. Langweilige Foliensätze, die viel zu lang sind, graphisch falsch gestaltet sind und vom Inhalt her Ich-zentriert sind, verschaffen den Vortragenden, die ob der Unterdrückung ihrer Persönlichkeit dieser Langeweile oft noch das i-Tüpfelchen aufsetzen, eine denkwürdige Position vor ihrem geneigten Publikum. Der akademische Titel, der Expertenstatus und die Besonderheit des Businesskontextes scheinen solche Begebenheiten zu rechtfertigen.

Wer jedoch sieht, was Vortragende mit übervollen Powerpointfolien, die oft endlose Itemlisten und ausformulierte Sätze in Schriftgröße 10 Punkt enthalten, der wird dieser Rechtfertigung nicht zustimmen. Das Publikum gibt, freilich nur unbewusst, innerhalb kürzester Zeit sein Statement ab. Es schaltet einfach innerlich ab.

All die feschen Wirtschaftstreibenden sind mit ihren Gedanken beim Buffet, beim Rendezvous mit der attraktiven Kollegin aus dem neuen Projekt oder auf einer fernen Insel beim wohlverdienten Urlaub, der in Kürze beginnen soll. Und sie schnallen es absolut nicht, dem zu folgen, was Vortragende in ihrer grenzenlosen Ich-Bezogenheit da draußen mit vielen Ähms und nach Worten ringenden Gesten der Hilflosigkeit von sich geben.

Sie werden sich jetzt denken, ‚Aber das ist doch normal? Richtig. Es ist der Standard, der in einem Land herrscht, wo Kinder von emotionalen Dinosauriern bis zu 40 Stunden die Woche belehrt werden. Es ist normal, dass wir sehr schnell lernen, unsere innere Erlebniswelt zu schützen vor dem verbalen Müll, der uns von so vielen Vortragenden, Trainern und Lehrern zugeworfen wird. Das ist richtig! Solange wir im Publikum sitzen.

Doch wenn wir auf der Bühne stehen, dann haben wir eine Verpflichtung. Und diese Verpflichtung haben auch Dienstleister, die die Ehre haben, ihr Unternehmen coram publico vorstellen zu dürfen.

Was kostet es Sie, wenn Sie über unvollständige Präsentationsskills verfügen? Im schlimmsten Fall bekommen Sie keine Aufträge, weil Sie schon wesentlich früher auf die nächste Verhandlungsrunde verzichten müssen. Und auch als Angestellter können Sie sich nicht aus der Verantwortung schleichen. Wenn Sie vor internen Teams präsentieren, steht sehr viel auf dem Spiel. Schließlich geht es sehr schnell, das Vertrauen Ihres Chefs oder Ihrer Kollegen zu verlieren.

Die Wurzel des Problems liegt in unseren Breiten bei einem fehlenden Verständnis davon, was eine gelungene Präsentation bewirken kann. Viele Menschen haben die Wichtigkeit eines gelungenen Auftritts einfach nicht erkannt, geschweige denn, Sie wissen darüber Bescheid, wie der Inhalt einer Präsentation richtig zusammengestellt werden muss.

Das Thema ist sehr umfangreich, weshalb ich ein eigenes Dienstleistungsprodukt entwickelt habe, das die bewusstseinsbildende Arbeit, vorerst nur in Österreich, leistet. In diesem Rezept habe ich das Allerwichtigste zusammengefasst, damit Sie zumindest auf der Ebene der Vorbereitung bei Ihrer nächsten Businesspräsentation glänzen können.

Guy’s 10/20/30-Regel

Guy Kawasaki1 ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied von Garage Technology Ventures, einem Unternehmen, das frühzeitig Geld in Technologieunternehmen investiert. In seinem Job werden ihm jährlich hunderte Präsentationen vorgeführt. Die Qualität dieser Präsentationen sind seiner Meinung nach Schuld an seiner Krankheit Morbus Ménière2. Um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, hat er nun für alle Unternehmer, die seiner Firma eine Präsentation näherbringen wollen, die 10/20/30 Regel vorgegeben.

Und diese Regel ist sehr einfach: Eine Powerpointpräsentation sollte nicht mehr als 10 Folien haben, nicht länger als 20 Minuten dauern und die kleinste verwendete Schriftgröße soll 30 Punkt betragen.

Er begründet diese Regel wie folgt. Ein durchschnittlicher Zuhörer ist normalerweise dazu imstande, sich zehn verschiedene Konzepte zu merken. Daher ist 10 die optimale Anzahl von Folien – in der Kürze liegt die Würze.

Der übliche Timeslot für Präsentationen beträgt 30 bis 60 Minuten. Um nach einer Präsentation noch genügend Zeit zur Diskussion und Erörterung zu bieten, sollten 20 Minuten für eine Präsentation nicht überschritten werden. Verschärft gilt dieser Teil der Regel für Präsentationen auf Kongressen und großen Veranstaltungen, an denen viele Redner aufeinander folgen. Hier gibt es für einen Besucher nichts Unangenehmeres, als den Wechsel von einem Saal zum nächsten unter Zeitdruck machen zu müssen, nur weil der Präsentator es nicht geschafft hat, sein Thema entsprechend auf den Punkt zu bringen.

Warum die Schriftgröße die 30 Punkt nicht unterschreiten sollte, liegt auf der Hand. In der Regel werden alle Präsentationen mit ausformulierten Sätzen und umfangreichen Itemlisten präsentiert, indem der Vortragende die Punkte von der Folie herunterliest. Das Problem dabei ist, dass die meisten Zuseher schneller lesen als der Präsentator spricht. Wofür also dann die ganze Show?

Letztlich dienen Folien einzig der karikierenden Unterstützung eines eloquenten und mitreißenden Vortrags.

Das Rezept

Wenn der Inhalt Ihrer Präsentation sich an dieser Richtlinie orientiert, haben Sie die erste und wichtigste Hürde für das nächste Mal bereits hinter sich gebracht. Informieren Sie sich noch, wie Sie eine Präsentation optisch geeignet aufbereiten und was Sie tun können, um den Stil Ihrer Präsentationen zu verbessern. Geeignete Anbieter am Markt gibt es zuhauf.

Zusammenfassung

In unseren Breiten fehlt ein Verständnis dafür, was eine gelungene Präsentation bewirken kann. Businesspräsentationen können spannend, energiegeladen und humorvoll sein. Gelungene Präsentationen können Ihre Zuschauer verzaubern und an ferne Orte führen. Sie können das innere Erleben bereichern.

Außerdem geben Präsentationen ein Bild ihres Sprechers wieder. Innerhalb von wenigen Augenblicken weiß Ihr Publikum alles über Sie. Natürlich nur unbewusst. Aber dieses Bild ist es, das die Zuseher von der Präsentation mitnehmen. Auch wenn Sie fachlich eine unerreichte Koryphäe sind, müssen Sie Ihr Publikum jedes Mal von neuem davon überzeugen.

Wenn Sie bei Ihrer nächsten Präsentation Ihr Publikum nicht langweilen wollen, nehmen Sie die Vorbereitung Ihrer Rede ernst. Gestalten Sie einen mitreißenden Bogen durch die neun Kernpunkte aus diesem Rezept und überzeugen Sie mit einem gelungenen Auftreten. Ein dankbares Publikum wird Ihnen mit Applaus huldigen.

Call 2 Action

Beginnen Sie sofort mit der Ausarbeitung Ihrer nächsten Business-Präsentation. Die relevanten Fakten sollten Sie schon aus den Aktionspunkten der vorigen Kapitel gesammelt haben. Beginnen Sie keinesfalls sofort damit, sich hinter den Computer zu verschanzen und mit Powerpoint diese Punkte einzufangen.

Setzen Sie sich vielmehr in entspannter Atmosphäre hin und überlegen Sie sich, was Sie mit Ihrer Präsentation erreichen wollen. Überlegen Sie sich genau, wer Ihr Publikum sein wird, und passen Sie Ihre Marketingbotschaften an dieses Publikum an. Spinnen Sie einen roten Faden durch Ihre Präsentation. Dieser rote Faden wird Ihnen zeigen, wie die Gliederung der Folien stattzufinden hat.

Wenn Sie diese Punkte durchlaufen, wird sich die Nervosität unter Ihrem Sofa verkriechen und Sie werden mit Freude und Mut dem Präsentationstermin emtgegensehen.

  1. Guy Kawasaki (* 1954), ist einer der Apple Mitarbeiter, der 1984 den Macintosh zu einer Legende werden ließ. Er ist bekannt dafür, das Konzept des Evangelismus ins High-Tech Business gebracht zu haben. Heute ist er Venture Capitalist. Weitere Informationen zu Guy guykawasaki.com und auf Wikipedia.

  2. Morbus Menière einer sehr unangenehm klingende Krankheit mit Symptomen wie Erbrechen im Zusammenhang mit Hörverlust, Ohrensausen und Druckgefühl in der Tiefe des Ohres.