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punkten Sie mit Persönlichkeit

Im Herbst kann es bei uns am Morgen schon ziemlich frisch sein. Besonders klare Nächte, wie die vergangene, zaubern dann bei Tagesanbruch einen weißen Teppich Raureifs über die bunte herbstliche Landschaft. So war auch heute der Tag in einer eigenartigen kalten Schönheit angebrochen. Ich war noch mit dem Einheizen meines kleinen Holzofens beschäftigt, als meine Assistentin Mira durchstellte.

»Guten Morgen, Mira. Schon so früh aktiv?«

»Guten Morgen, Michael. Ja, unbedingt. Es war so ein schönes Wochenende, dass ich mich einfach melden musste.«

»Gut so. Womit kann ich dir dienen?«

»Am liebsten würde ich dir davon erzählen, was ich den Rest des Wochenendes gemacht habe und ich brauche auch deine Hilfe, um meinen Artikel sauber fertig zu bekommen.«

»Ok. Ich schlage vor, wir gehen gleich in dieser Reihenfolge vor. Was hast du gemacht, nachdem ich meiner Wege gezogen bin?«

»Zuerst war ich ja perplex. Ich habe mir gedacht: ›Das kann doch nicht sein Ernst sein, dass er mich einfach so in der Wildnis sitzen lässt!‹ Ich habe gedacht, du machst einen Scherz, um mich auf die richtige Fährte zur Lösung meiner Probleme zu bringen.«

»So, so.«

»Ich habe mir also gedacht: ›Na gut, dann werde ich das jetzt einmal genießen‹, und habe mich in diesen wunderbaren Anblick vertieft. Hast du bemerkt, wie weit man an diesem Tag sehen konnte? Die Luft war klar und all die Gipfel in der Umgebung wirkten zum Greifen nahe, obwohl ich von der Landkarte her wusste, dass viele beinahe 100 Kilometer entfernt von dem Punkt lagen, auf dem ich mich befand.

Und wie ich da so sitze und staune, fällt mir dann dieses Kleinod von Johann Wolfgang von Goethe ein. Zuerst habe ich es nicht mehr ganz hingebracht, ich hatte es vor langer Zeit in der Volksschule gelernt, als wir mit unserer Deutschlehrerin eine Klassenfahrt auf die Hora Hoverla1 gemacht hatten. Aber nach einigen Versuchen konnte ich mich wieder erinnern.

Über allen Gipfeln
Ist Ruh.
In allen Wipfeln
Spürest du
Keinen Hauch;
Die Vöglein schweigen im Walde!
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Und wie ich da so sitze und halb im Gedanken, halb murmelnd den Text vor mich hin rezitiere, da ist dann etwas sehr Eigenartiges geschehen. Ich habe einfach auf alles rundherum vergessen. Ich habe nicht mehr gemerkt, dass ich allein auf irgendeinem Kärntner Nock saß und einen ganzen Rucksack voll von Problemen und Ideen mit mir herumschleppte. Ich saß einfach da und nahm die Welt um mich herum in vollen Zügen auf. Moment, nein, das stimmt nicht ganz, vielmehr wurde ich zu diesem Ausblick.

Für einen kurzen Augenblick, dort oben, verstand ich, was es bedeutet, mit allem verbunden zu sein. Es gab keine Grenzen, es gab nichts, was ich nicht denken konnte und alles wurde sofort in Form von Gefühlen Realität. Es war… wie wenn ich meine Batterien an einen Turbolader angeschlossen hätte.«

»Wow, das klingt toll!«

»Ja! Ich habe mich lange auf diesem Gipfel aufgehalten. Ich bin ein wenig herum gegangen und habe verschiedene Positionen ausprobiert. Ich wollte wissen, ob sich an diesem Gefühl etwas änderte, ich spielte mit meiner Wahrnehmung. Aber was ich auch tat, die Umarmung der Welt blieb bestehen.

Schließlich wurde ich von einer Sekunde auf die andere sehr müde. Bei meinen Versuchen hatte ich eine kleine Mulde ausgemacht und in die legte ich mich jetzt hinein, um ein wenig zu schlafen. Als ich wieder munter wurde, bekam ich einen riesigen Schrecken. Ich war ganz allein und es hatte bereits zu dämmern begonnen. Die Sonne musste vor wenigen Augenblicken untergegangen sein. Ich konnte ein schönes rotes Band im Westen sehen.

Ohne weiter nachzudenken, bin ich dann einfach in Richtung Süden den Berg hinunter gelaufen. Es war ein großer Spaß. Ich sprang über Felsen, Steine und Mulden hinweg. Wenn ein durchgehendes Stück Wiese einladend genug aussah, sich darin zu verfangen, ließ ich mich einfach fallen, wirbelte, wie eine Zehnjährige im „Butterwalgen“ herum, fing mich wieder, rappelte mich auf und rannte weiter.

Bereits nach wenigen Minuten hatte ich die Waldgrenze erreicht. Ich verlangsamte mein Tempo und versuchte einen Forstweg auszuspähen. Als ich keinen ausmachen konnte ging ich einfach aufs Geratewohl eine vielversprechende Richtung hinunter. Als nach weiteren wenigen Minuten ein Forstweg auftauchte, fühlte ich mich bestätigt und von einer höheren Macht getragen. Noch vor Einbruch der Dunkelheit hatte mich dieser Weg direkt auf die Wiese oberhalb meiner Pension geführt.

Ich musste innerlich lachen, setzte mich am Waldrand nieder und beobachtete das Treiben in dem kleinen Dörfchen, in dem du mich untergebracht hast. Es war einzigartig, wie aus einer anderen Welt. Ich konnte vergnügte Kinderstimmen hören, hörte, wie die Kühe im Stall gefüttert wurden und sah das sparsame Lichterspiel in den Räumen der wenigen Häuser.

Als es schließlich Nacht geworden war und es mir zu frösteln begann, schlüpfte ich schnell in mein Zimmer, legte mich sofort hin und bin erst am nächsten Tag wieder aufgewacht.«

»Das klingt nach einem gelungenen Tag, den du da hattest.«

»Oh, ja. Ein sehr gelungener Tag.«

»Am nächsten Morgen machte ich mich dann auf in die Dorfkirche. Ich habe in Österreich noch nie einem Gottesdienst beigewohnt. Schon in der Ukraine hatte ich damit aufgehört, an Gott zu glauben und in die Kirche zu gehen. An diesem Tag tat ich es. Und dank meiner Erlebnisse vom Vortag konnte ich eine leise Ahnung von dem bekommen, wer Gott vielleicht sein könnte.«

»Mhm.«

»Nach dem Gottesdienst machte ich einen Spaziergang um meine Gedanken zu ordnen. Ich nahm mir vor zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Als ich schließlich zurück in meinem einfachen Zimmer war, hatte ich mir einen konkreten Plan zur weiteren Vorgehensweise zurecht gelegt.«

»Jetzt bin ich aber gespannt.«

»Gell!« Ich konnte Miras schelmisches Gesicht durch die Telefonleitung hindurch sehen. »Ich habe noch im Zimmer damit begonnen, meinen Artikel über Open Source zu schreiben.«

»Ok, womit wir beim zweiten Thema unseres Gesprächs angelangt wären.«

»Ja, mein Artikel soll sich um den spirit of open source drehen.«

»Ok. Ich gehe davon aus, du hast das Template verwendet, das ich euch im Kurs zur Vergügung gestellt habe. Kannst du mir einmal die vier Eckpunkte deines Artikels auseinanderlegen?«

»Ja, sehr gerne. Am besten ich fange gleich mit dem Problem an.«

»Ok.«

»Die Firmen, mit denen ich arbeite, verwenden Open Source Software. Das ist gut, weil sie die Vorteile kennen und ich nicht über deren Ängste bezüglich dem Einsatz von quelloffener Software sprechen muss, sondern mich gleich auf spezifische Erscheinungsformen in der Anwendung werfen kann.«

»Verstehe. Ein Gedanke dazu noch: Du könntest das deinen Lesern gleich als eine Art Bekräftigung oder Bestätigung zurückspielen. Dann fühlen sie sich gleich ein wenig mehr von dir verstanden und werden stolz auf ihre eigenen Leistungen.«

»Oh, das ist klug. Einen Augenblick, ich notiere mir das schnell.«

Nachdem das obligate Kratzen Miras Füllfeder verstummt war, fuhr sie fort.

»Ok. Ein Problem, das viele Firmen haben ist, dass die Mitarbeiter nicht wissen, wie sie mit der Verantwortung in ihrem Unternehmen im Hinblick auf Projektdeadlines und die Teilnahme an der natürlichen Evolution in einem Open Source Projekt, das sie für diese Vereinbarung verwenden, unter einen Hut bringen sollen.«

»Klingt komplex. Was bedeutet das? Woran kann das dein optimaler Kunden erkennen?«

»Ich erkenne es daran, dass Code entwickelt wird, der eigentlich in das Open Source Projekt einfließen sollte, der aber unter dem Vorwand, dass es Deadlines einzuhalten gilt, in der Codeverwaltung des Unternehmens landet.«

»Und dort weiter gewartet werden muss und keinen Review durch die Community erfährt.«

»Richtig. Die Auswirkungen auf der Community Seite schauen so aus, dass es zwar Anfragen zur Verwendung gibt, dass die aber sofort wieder verstummen, wenn das gewünschte Feature nicht oder noch nicht im Paket enthalten ist. Da ist das Problem dann, dass die natürliche Evolution langsamer vor sich geht.«

»Ok, und im Unternehmen?«

»Im Unternehmen ist die Entwicklung nun damit beschäftigt, alles, was es noch nicht gibt, auf die Open Source Basis draufzustellen. Da kommt dann mitunter ein nicht unbeträchtlicher Aufwand zustande.

Im schlimmsten Fall wird dann die Open Source Software mit einem ganz bestimmten Releasestand hergenommen und so individuell angepasst, dass man mit neueren und unter Umständen stabileren Releases nicht mehr mitgehen kann.«

»Verstehe. Das Unternehmen sperrt sich selbst auf einen bestimmten Stand ein. Und wenn es in einem halben Jahr eine wesentlich stabilere Version gibt, dann kann man nicht mehr upgraden.«

»Das ist in meinen Augen jedoch nur das kleinere Übel. Das größere Problem ist, dass es ja auch Patches und Fixes für die verwendete Open Source Software gibt. Mitunter passiert das recht häufig, wenn die Software weite Verbreitung findet. Und wenn eine Firma nun einen fork, so nennt man einen eigenständigen Zweig von Software in unserer Branche, erzeugt hat, dann müssen viele dieser Patches und Fixes manuell eingefügt werden.«

»Das klingt jetzt aber wirklich nach viel Arbeit.«

»Oh, ja. Für das Unternehmen bedeutet das Zeit und Geld!«

»Ok, Mira. Mir scheint, ich habe das Problem in Ansätzen verstanden. Ich gehe davon aus, dass du mit einer gelungenen Beschreibung keine Probleme hast. Liege ich da richtig?«

»Ja, sehe ich auch so.«

»Gut, was ist der zweite Punkt?«

»Der nächste Punkt, streng nach deinem Schema, wäre jetzt die Lösung.«

»Ok, mach einmal. Wie du es dann im Artikel bringst, wirst du ja sehen, wenn du daran schreibst.«

»Ok, die Lösung. Michael, hier bin ich mir nicht ganz sicher. Ich bin bei meiner Vorbereitung davon ausgegangen, dass die Lösung das ist, was ich mit meiner Dienstleistung vollbringe.«

»Na ja, das kann schon sein oder wird wohl so sein… ach was, lass einmal hören, was du hast.«

»Meine Lösung besteht darin, dass ich mit den Entwicklern einen Workshop veranstalte, in dem über die Besonderheiten des Open Source Entwicklungsmodells gesprochen wird, und meine Teilnehmer einschlägige Werkzeuge in die Hand geliefert bekommen, die ihnen dabei helfen werden, das Problem anders anzugehen.«

»Verstehe. Ok, Mira. So wird das nichts. Wenn du den Artikel so schreibst, dann kann es leicht passieren, dass deine Leser bald mit deiner Lektüre aufhören. Das klingt dann zu platt nach einer Werbung.

Probiere doch lieber deinen Lesern zu zeigen, was du drauf hast. Beschreib doch einfach einmal, wie eine Lösung aussehen könnte, auf ganz allgemeiner Ebene. Da können Elemente deiner Arbeit genauso drinnen sein, wie theoretische Überlegungen und Mutmaßungen. Wichtig ist in diesem Abschnitt in meinen Augen, wie eine optimale Lösung des oben skizzierten Problems aussehen könnte.«

»Ok. Das habe ich mir fast gedacht.«

»Macht gar nichts. Der erste Artikel den ich geschrieben habe, war auch eher ein Werbetext und ich bin erst viel später draufgekommen, was damit nicht stimmte. Da bist du mir schon jetzt weit voraus. Du beginnst auf einem ganz anderen Level.«

»So, jetzt habe ich aber das Problem, dass der Rahmen noch weiter gefasst werden muss.«

»Wieso?«

»Ganz einfach. Wenn ich die optimale Lösung skizziere, dann werde ich sehr oft auch das Organisationsgefüge in manchen Softwareschmieden über den Haufen werfen.«

»Verstehe. Na probier’s einfach einmal. Einen Artikel zu schreiben bedeutet ja nicht, dass man sich hinsetzt und alles druckreif aus der Feder fließt, sondern, dass man sich hinsetzt und seine Gedanke zu einem Thema ordnet und diese dann solange überarbeitet, bis ein schlüssiges Stück Text übrig bleibt.«

»Ok, gute Vorstellung.

Ich kenne einige große Unternehmen, die unterhalten IT-Abteilungen, in denen der Chefentwickler Designs entwirft, und wo die Entwickler dann diese mehr oder weniger genialen Entwürfe in Code überführen sollten.«

»Ok, und?«

»In solchen Konstellationen kann es dann leicht vorkommen, dass es mit dem Design nicht weit her ist. Wenn dann noch Open Source eingesetzt wird, kommen so viele Unwägbarkeiten dazu, dass die informelle Komplexität ins Unermessliche steigt.«

»Du hast konkrete Vorerfahrungen?«

»Ja, die habe ich leider.«

»Ok, und inwiefern wirkt sich das jetzt auf die Lösung, die du skizzieren willst aus?«

»In meiner Lösung wird das Kommunikationsmodell des Open Source verwendet, in denen jeder Teilnehmer an einer Diskussion gleich viel Einfluss auf die Ergebnisse hat. Das funktioniert mit hierarchisch organisierten Konstellationen leider nicht.«

»Oh, ich verstehe. Ich empfehle dir, dieses Faktum mit in die Problembeschreibung hineinzunehmen. Außerdem frage ich mich, ob das nicht ein zusätzliches Attribut deiner optimalen Kundenbeschreibung darstellt.«

»Hey, ja, genau, danke. Daran habe ich noch gar nicht gedacht.«

»Ok, dann weiter mit deiner Lösung.«

»Ok, wenn wir jetzt die Voraussetzungen haben, dass alle gemeinsam an einem Design arbeiten, also das einbringen, was sie einbringen können, dann ist der Prozess schon hier ein wenig anders gelaufen als vorher im Unternehmen üblich.«

»Ok, der Groschen ist gefallen. Ist das etwas, das der Unternehmer kaufen können wollte?«

»Ja, auf jeden Fall. Seine Software wird dadurch mit Sicherheit stabiler, wartbarer und in kürzerer Durchlaufzeit umgesetzt.«

»Aha. Das ist das, was sich jeder Unternehmer wünscht, richtig?«

»Richtig. Und wenn nun alle Entwickler, die an der Implementierung teilnehmen, genau die Punkte abstecken können, an denen sich das Produkt, dass das Unternehmen produziert, von der Open Source Software, die als Basis verwendet wird, abgrenzt, dann können die notwendigen Ressourcen sehr genau für die jeweiligen Agenden eingesetzt werden.«

»Dein Wort in Gottes Ohren. Klingt für mich fast nach etwas, wonach die gesamte Softwarebranche lechzt.«

»So schlimm schätze ich das jetzt nicht ein. Aber ich kenne einige Unternehmen, denen diese Lösung einen Knopf lösen würde.«

»Ok, ok, Mira. Du bist wieder in Hochform heute.«

»Ja.« Mira lachte.

»Der nächste Punkt laut deiner Anleitung ist ein Beispiel. Hier habe ich lange gesucht, aber noch nicht wirklich etwas gefunden. Muss ich hier nicht auf meine Dienstleistung eingehen?«

»Du kannst, wenn du Vorerfahrungen hast. Da du aber erst am Anfang stehst, wird das nicht ganz funktionieren. Gut, dann probieren wir es einmal anders herum.

Wer könnte damit Erfahrungen gesammelt haben? Fällt dir ganz spontan dazu jemand ein?«

»Spontan? Ja sicher, IBM.«

»Ok, sicher. IBM hat im Laufe der letzten zehn Jahre einen sensationellen Spagat hingelegt. Da müsste sich jemand finden, der dir weiterhelfen könnte.«

»Was meinst du mit weiterhelfen?«

»Das, was ich sage. Zuerst rate ich dir, dich auf den Consulting Seiten von IBM umzusehen. Wenn du da fündig wirst, oder zumindest eine Spur aufnehmen kannst, dann hast du meistens auch einen Namen gefunden. Mit dieser Person solltest du sehr einfach in Kontakt treten können.«

»Puh, das klingt nach einem großen Schritt für mich.«

»Oder du recherchierst im Internet.«

»Habe ich gemacht, bin aber nicht fündig geworden.«

»Dann kannst du ja noch auf einer beliebigen Mailingliste anfragen, ob jemand in seinem Unternehmen die Probleme, die du beschrieben hast, so gelöst hat, wie du es darstellst.«

»Ok, das kann ich mir vorstellen.«

»Gut. Aber da fällt mit noch etwas ganz Wichtiges ein. Was hast du denn selbst in diesem Zusammenhang gemacht?«

»Oh, ja richtig. Kann ich denn auch über eigene Erfahrungen schreiben?«

Widerstände lösen

»Na das möchte ich doch hoffen! Wenn du in deiner Vergangenheit eine Referenz, die in diese Richtung weißt, verwirklicht hast, dann ist das genau das passende Beispiel für deinen Artikel. Dann hast du damit sofort auch eine glaubwürdige Begründung dafür abgegeben, warum du das in Zukunft für andere machen willst.«

»Mhm. Wenn das so ist. Aber ich fühle mich ein wenig unwohl dabei.«

»Hast du echte Ergebnisse mit deiner Betätigung erreicht?«

»Ja. Wir hatten ein Projekt, in dem wir ebenfalls Open Source verwendet haben. Ich bin erst später dazugekommen. Zu dem Zeitpunkt war alles auf einen spezifischen Release abgestimmt. Ich habe dann begonnen, diese Festschreibungen zu lösen, habe Sourcecode an die Community zurückgegeben, getestet und Bugs über die Community gefixt. Nach relativ kurzer Zeit konnte das Projekt auf dem letztverfügbaren Softwarestand des Open Source Frameworks wesentlich schneller und stabiler laufen als zuvor.

Daneben habe ich den Kollegen aus dem Projekt, die auch mit dieser Software zu tun hatten, gezeigt, wie das ganze funktioniert, im Stile des Action Learning2. Es hat allen großen Spaß gemacht.«

»Voilà, hier ist dein Beispiel.«

»Ok, verstehe. Wenn ich das einfach so erzählen kann.«

»Du kannst! Vergiss nicht, es wird für dich in Zukunft immer wichtiger werden, den Menschen, mit denen du zu tun hast, zu zeigen, wer du bist. Wenn die Menschen merken, dass du lebst, wenn du ihnen zeigst, wer du bist, dann werden sie sich leichter damit tun, auf dich zu zugehen.«

»Oder von mir zu weichen.«

»Ja, sicher. Manche werden auch vor dir fliehen, weil sie mit dir nicht zurechtkommen. Es gibt da die Drittelregel. Ein Drittel der Personen, die du ansprichst werden von dir begeistert sein. Einem weiteren Drittel wird es egal sein, wer du bist und wofür du stehst. Und das letzte Drittel wird sich dagegen auflehnen. Diese Leute werden sich aktiv von dir abwenden. Aber das ist auch ok so, wozu hätten wir uns sonst die Mühe gegeben, ein Bild deines optimalen Kunden zu entwerfen.«

»Stimmt auch wieder.«

»Gut. Was du auf jeden Fall in deinen Artikel einweben solltest, ist ein Statement darüber, wofür du stehst. Du kannst das ganz einfach in einer Unterüberschrift machen, zum Beispiel beim optimalen Ergebnis zum Beispiel.«

»Was meinst du damit bitte?«

»Schon in der Problembeschreibung hast du gezeigt, wohin du – als Dienstleister – deinen Blick im Spannungsfeld Softwareengineering deines Kunden lenkst. Damit hast du gezeigt, dass du die Probleme kennst und hast sie im besten Fall so ausführlich umrissen, dass sich dein Kunde selbst darin wiederfinden kann.«

»Ja.«

»Damit hast du auch gesagt, wer diese Probleme hat.«

»Richtig.«

»Und du hast gezeigt, mit welchen Ergebnissen ein Unternehmer, Manager oder IT-Leiter rechnen kann.«

»Ok. Habe ich gesagt, ja.«

»Das ist dein Statement, das aussagt, was du machst.

Demgegenüber stellst du jetzt noch eine Klammer, wer du bist. Das machst du, wenn du das Beispiel beschreibst.«

»Oh, klar.«

»Hier kannst du auch persönliche Stärken einfließen lassen. Ganz wie es dir gefällt. Du könntest sogar so weit gehen und deinen Lesern sagen, was für dich dabei drinnen ist. Wenn ich denke, dass du vor hast, dich mit diesem Thema selbständig zu machen, dann verbindest du damit eine gewisse Erwartungshaltung. Die kannst du, wenn du mutig genug bist, auch kommunizieren.«

»Wie, dass ich mir ein Leben vorstelle, in dem ich Mutter sein kann und nebenher selbständig mein Geld verdiene?«

»Solche Frauen soll es geben. Und sie werden auch bewundert.«

»Ok, ok, ok.«

Mira war wieder mit Schreiben beschäftigt.

»Dann fehlt eigentlich nur noch der Schluss.«

»Ja, eine knackige Zusammenfassung und die geeignete Überschrift.«

»Oh, die Überschrift. Wie kommt Spirit of Open Source

»Es ist einmal ein Ansatz. Gut, ich glaube zum Thema Überschriften habe ich noch keine Unterlagen ausgegeben. Hier einmal die Grundlagen. Gute Schlagzeilen bedienen sich einer einfachen Sprache und sind leicht verständlich.«

»Mhm. Englisch in einem Land mit Muttersprache Deutsch erfüllt diese Bedingung vermutlich nicht wirklich.«

»Würde ich jetzt nicht unbedingt sagen, Mira. Der nächste Punkt lautet nämlich: Eine Überschrift – und natürlich auch der Artikel, der sich dahinter verbirgt – richtet sich an ein Zielpublikum.«

»Oh, natürlich. Dann passt Open Source jedenfalls. Die deutsche Übersetzung Quelloffene Software hat sich nicht wirklich durchsetzen können.«

»Dasselbe Gefühl habe ich auch. Gut, nächster Punkt wäre, deine Überschrift sollte den grundlegenden Nutzen beinhalten.«

»Aha, da werde ich nachbessern müssen.«

»Ja, das denke ich auch. Und schließlich sollte eine gute Schlagzeile auch den Betrachter bei der Hand nehmen und ihn in den Text hineinführen, zum Lesen des Textes verführen, wenn du so willst.

Ok. Dein Thema ist Open Source in Unternehmen.«

»Richtig. Wie wär’s mit Open Source Kommunikationsmuster

»Ja, das ist ziemlich klar. Obwohl – was hat Open Source mit Kommunikation zu tun? Aber wenn ich schon dort bin, wo du jetzt bist, dann werde ich den Artikel lesen, weil ich mir denke, endlich hat jemand kapiert, was die Hürde für den Einsatz von Open Source darstellt. Was mir fehlt ist jetzt der Kontext des Unternehmens. Außerdem kann ich mir unter Kommunikationsmuster alles mögliche vorstellen. Auch Verkäufer nutzen bestimmte Kommunikationsmuster um ihre Waren an den Mann zu bringen. Der Titel ist noch ein wenig zu allgemein. Findest du nicht auch?«

»Jetzt wo du es sagst, ja.«

»Es kann leicht passieren, dass die Leute drüberlesen, weil es nicht klar ausdrückt, was für den potentiellen Leser im Artikel drinnen steckt. Du darfst nicht vergessen, dass deine Leser keine Gedankenleser sind. Und viele werden sich nicht die Zeit nehmen, um herauszufinden, was du konkret unter dieser Überschrift zum Besten zu geben hast. Also probieren wir gleich einmal dein Zielpublikum hineinzuweben.

An wen richtet sich der Artikel?«

»Er richtet sich an Entwickler. Ok, dann müsste der Titel lauten, Open Source Kommunikationsmuster für Entwickler. Wobei – dann würde ich jetzt statt Kommunikationsmuster lieber das Wort Kommunikationsstrategien verwenden.«

»Ok, wie lautet der Titel dann?«

»Open Source Kommunikationsstrategien für Entwickler

»Ok, das kommt schon besser, findest du nicht auch?«

»Ja!«

»Wenn ich Entwickler bin, weiß ich sofort, dass ich gemeint bin. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ich darauf anspringe, ist um einiges gestiegen. Du darfst nicht vergessen, Menschen lieben es, wenn sie persönlich adressiert werden. Je spezifischer, desto besser. Kannst du da noch nachlegen? Java Entwickler, Webentwickler, SAP-Entwickler, wenn du spezifischer werden kannst, dann tu’ es.«

»Mhm. Im Augenblick würde ich die Zielgruppe nicht einschränken wollen.«

»Ok, macht nichts. Du bekommst die Aufmerksamkeit. Mehr Aufmerksamkeit bekommst du, wenn du auch deinen primären Nutzen hinein verpackst. Mira, was ist der grundlegende Nutzen, von dem dein Leser in diesem Artikel erfahren wird?«

»Mhm… warte einmal. Die größte Ersparnis ist die Zeitersparnis. Wenn ich in meinem Code alles in Ordnung habe, dann kann ich mich eher um die größeren Dinge kümmern.«

»Ok, dann versuch einmal diese Zeitersparnis hineinzubringen.«

»Wie sich Entwickler, die Open Source Software verwenden mit Kommunikationsstrategien Zeit sparen können

»Ok, dir Richtung stimmt. Das Problem ist jetzt, dass die Überschrift sehr akademisch geworden ist. Kannst du versuchen eine direkte Ansprache zusammen zu bekommen und auch was die Zeitersparnis betrifft konkreter zu werden?«

»Nicht einfach.«

Mira dachte lange nach.

»Wie wär’s mit, Sind Sie Entwickler? Sparen Sie bis zu einem Drittel Ihrer kostbaren Projektzeit mit Verbesserung Ihrer Open Source Kommunikationsstrategien

»Aha. Merkst du, wie es jetzt wieder eine Wende auch vom Inhalt her macht?«

»Ja.«

»Kannst du dieses Versprechen noch halten?«

»Im Augenblick denke ich schon noch.«

»Ok. Jetzt liegt deinem Titel ein greifbarer Nutzen zugrunde, die Zeitersparnis, die er durch Verbesserung seiner Kommunikationsstrategien erreichen kann. Die Verbesserung kommt in Österreich nicht so gut. Da denken sicherlich viele an Schule. Wie könntest du es anders sagen?«

»Hab’s schon, Sind Sie Entwickler? Sparen Sie bis zu einem Drittel Ihrer kostbaren Projektzeit durch Optimierung Ihrer Open Source Kommunikationsstrategien

»Optimierung, ja! Programmierer sind Perfektionisten. Sie werden jede Gelegenheit für eine Optimierung nutzen. Das kommt besser. Wenn ich also jemand bin, der auf Optimierung seiner Kommunikationsstrategien aus ist, dann werde ich diesen Artikel mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit lesen. Merkst du warum ich sage, Marketing ist wie kochen?«

Mira lachte und bestätigte mit einem flüchtigen Ja.

»Du musst dir einfach nur vorstellen, nach welchen Vorteilen deine Leser genau suchen. Es könnte sein, dass sie Stress in ihren Projekten haben, dann könnte das ein Thema für sein, das du ihnen in der Überschrift gibst. Oder es könnte auch erhöhte Produktivität für andere Projekte bedeuten oder verringerter Verschleiß. Du könntest auch mehrere Vorteile in eine Überschrift hinein packen.«

»Ok. Ich verstehe noch nicht ganz…«

»Lassen wir das einmal. Versuchen wir lieber eine richtige Sogwirkung für deine Überschrift zu finden. Wie kannst du es anstellen, dass der Benutzer sprichwörtlich in den Text hineingezogen wird?«

»Sprichwörtlich. Mhm. Moment! Da habe ich eine großartige Idee, wenn ich an mein eigenes Beispiel denke: Wie ein Team von 15 Entwicklern 28 Prozent ihrer Produktiven Zeit durch Optimierung Ihrer Open Source Kommunikationsstrategien einsparen konnte.«

»Wow. Das kommt an!«

»Ja?«

»Ich finde schon. Das macht auf breiter Linie neugierig. Am liebsten würde ich jetzt gerne diesen Artikel von dir lesen.«

»Ähm, aber ich muss ihn ja noch schreiben.«

»Ok, Mira. Dann haben wir die Punkte für heute durch. Hast du noch Fragen?«

Mira war für einen kurzen Augenblick sprachlos. Als sie sich wieder gefangen hatte, verneinte sie. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, konnte ich mich zitternd meinem Ofen zuwenden. Das Feuer war schon lange wieder ausgegangen und die Temperatur in meinem Office betrugen nicht mehr als 12 Grad.

  1. Die Hora Hoverla ist der höchste Gipfel in den ukrainischen Karpaten. Der Gipfel ähnelt in seinem Aussehen stark den sanften Kärntner Nockbergen und hat eine Seehöhe von 2061 m.

  2. Action Learning oder Aktionsbasiertes Lernen ist eine Methode des Erfahrungslernens Learning by Doing in Unternehmen oder anderen Organisationen, die auf Reginald Revans zurückgeht. In einem Action-Learning-Programm arbeitet ein Team an einem konkreten, für ein Unternehmen relevanten Projekt und reflektiert gleichzeitig über den Lernprozess. Action Learning ist geprägt von der Überzeugung, dass man am besten anhand einer konkreten Herausforderung lernt. Dadurch entsteht ein doppelter Nutzen - für das Unternehmen und für die Mitarbeiter: Organisationsentwicklung und persönliche Weiterentwicklung.